Neue Sorgen für die SPD Ein Kneipenwirt greift an

JULIANE KMIECIAK / CHRISTOPH HEINEMANN Eimsbüttel

„Mein Name ist Marco Scheffler, und ich möchte Bundeskanzler werden.“ So stellt sich der 41-jährige Kneipenbesitzer aus Eimsbüttel seit Neuestem gerne vor. Aus seiner „Null-Vier-Null-Bar“ kennt er die Abende, an denen am Tresen alle Probleme der Welt gelöst werden. Aber jetzt will er Ernst machen. Sein kleines Ziel: im September per Direktmandat in den Bundestag. Sein großes: das Kanzleramt. Freunde brachten ihn im März auf die Idee, bei der ZDF-Show „Ich kann Kanzler“ mitzumachen. Dafür schrieb er ein Konzept, trommelte Leute zusammen und gründete die Initiative „Mensch macht Politik“ (M.M.P.). Doch für die Sendung war er zu alt. Aber die Politik-Lust hatte ihn gepackt, und so machte er weiter. Seit drei Monaten ist der Familienvater nun im Wahlkampf: In Turnschuhen und seinem Wahl-T-Shirt zieht er durch seinen Kiez, spricht mit den Passanten, verteilt Flyer. Etliche Ladenbesitzer hat Schaeffler schon dazu gebracht, sein Plakat in ihre Schaufenster zu kleben. „Oft sind die Leute erstaunt, weil darauf ,Unser-neuer-Bundeskanzler` steht. Aber die meisten finden die direkte Ansprache gut“, so Scheffler. Auf seiner Homepage listet er in ein paar Punkten auf, wie er sich Politik vorstellt: das Ende der Überflussgesellschaft, eine ressourcenschonende Wirtschaft und ein Grundeinkommen für alle. „Ein richtiges Parteiprogramm gibt es noch nicht“, erklärt er. Aber: noch gibt es ja auch keine Partei. M.M.P soll zwar einmal eine werden, aber dafür braucht er Unterstützung von Leuten, die sich auskennen und engagieren wollen. „MMP soll eine Mitmachpartei werden“, wünscht er sich. Für seine Teilnahme an der Bundestagswahl sind die Weichen schon gestellt. Die 250 Unterschriften, die nötig sind, um auf dem Wahlzettel zu erscheinen, hat er. Nun ist der Kneipier von seinem Sieg überzeugt: Scheffler rechnet damit, dass viele Wähler dem umstrittenen SPD-Kandidaten Danial Ilkhanipour (28) den Rücken kehren und ihm seine Stimme geben. Der Kontrahent von den Sozialdemokraten ist bereits auf Schaeffler aufmerksam geworden: „Ich habe mir seine Homepage angesehen und wünsche ihm als Mitbewerber viel Glück. Wenn es nicht klappt, kann er gern der SPD beitreten – wir brauchen immer gute Leute.“

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