Fahrstühle machen uns zu Idioten, ob wir wollen oder nicht. Selbst, wer sich für den King-of-Smalltalk hält, verfällt im Lift dem „Fahrstuhl-Knigge“, der zum kommunikativen Absturz führt. Ob wir mit der großen Liebe im Fahrstuhl stehen, werden wir nie erfahren. Näher kommen werden sich die Fahrgemeinschaften mit den Top-Five-Sprüchen jedenfalls nicht: „Na, junge Dame, nehmen Sie mich ein Stückchen mit?“, „Jetzt bin ich ganz unten angekommen“, „Sie wollen wohl hoch hinaus“, „Die ganz große Runde“, „Einer geht noch“.

 Es scheint nur drei zulässige Sprechanlässe zu geben: Man kommentiert die Fahrtrichtung, die Zieletage oder das mehr oder wenige gute Durchkommen. Wer sich dem entziehen will, dem bleibt nur, auf dem Handy rumzutippen. Es scheint jedenfalls viele zu geben, die auch ohne Empfang SMS versenden können. Auf der Coolness-Skala machen wir damit zwar keinen Sprung. Ist aber immer noch besser, als diese etagenübergreifenden Freundschaften. Solche, wo mit dem Arm in der Lichtschranke der Fahrstuhl gestoppt wird, weil die Debatte über das Problem mit dem kaputten Wäschetrockner jetzt nicht warten kann. Im Gegensatz zur Fahrstuhlgruppe.

Und während dann diskutiert wird, ob sich vielleicht ein BH-Bügel in der Mechanik verfangen hat, tippt die Zwangsgemeinschaft längst wieder auf ihren Displays herum. Und dann werden wieder Mitteilungen ins Nichts versendet. Was wohl drin steht? Vermutlich immer dasselbe: „Wo ist die Fahrstuhlmusik, wenn man sie mal braucht?“