Lügen Sie mich gefälligst an! („Zwischenruf“, erschienen im Hamburger Abendblatt am 28. Juli)

Juli 31, 2012

Eine Woche lang Sommer wie im Bilderbuch. Mit barfuß Fahrradfahren, Weißweinschorle auf dem Balkon, mit Freibad, Eis und Park. Ja, es hätte so schön sein können. Doch bevor es überhaupt losging mit dem schönen Wetter, kündigten die Wetterdienste schon das Ende des Kurzsommers an: am heutigen Sonnabend soll alles wieder vorbei sein. Diese Ankündigung ist eine psychologische Frechheit!

Liebe Wetterexperten, wissen Sie denn nicht, was das für Menschen bedeutet, für die so ein richtiger Sommer das Allergrößte ist? Das ist wie um 21 Uhr in die Disco zu gehen, obwohl man weiß, dass zwei Stunden später die Musik ausfällt. Wie die neue Liebe zu genießen, obwohl schon klar ist, dass man sich später über den Sommerliebe-Flop kaputtlachen wird. Wie das Leben einer Eintagsfliege, die weiß, dass sie gleich tot ist.

Wie soll man sich da bitte entspannen? Seit Montag musste jede freie Sekunde in der Sonne verbracht werden. Das Minimalprogramm von Feierabend bis Sonnenuntergang: braun werden, auf der Alster paddeln, Biergarten, Park, Eis, Cocktails, Elbe, grillen, schwimmen, flirten, Beach-Club, Balkon. Purer Stress.

Liebe Wetter-Menschen, Sie haben uns den naiven Glauben an einen Sommer genommen, der kommt und einfach bleibt. Deshalb bitte ich Sie: Lügen Sie uns an! Faseln Sie irgendwas von nicht enden wollendem Traumsommer. Erfinden Sie stabile Hochs und lenken Sie die Kaltluft auf ihren Karten irgendwo hin – Hauptsache an Hamburg vorbei. Lassen Sie uns das Sommergefühl, solange es geht – mindestens so lange, bis Sie uns weiße Weihnachten versprechen.

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