„Da hast Du in den letzten Jahren aber einiges falsch gemacht“, sagt die blonde Frau und zeigt auf meinen Kopf. Dann zieht sie einzelne Strähnen nach oben, zwirbelt sie zwischen ihren Fingern und hält sie mir direkt vor die Augen.

Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt irgendetwas sagen sollte, aber ich weiß einfach nicht, worauf die Friseurin hinaus will. Ich weiß nur: die Haare müssen ab. Ich sitze auf dem Frisierstuhl eines Salons in der Osterstraße.

Nun, ich weiß eigentlich überhaupt nicht mehr, wie das so geht beim Friseur. War seit Jahren nicht mehr da. Meine Haare haben deshalb eine respektable Länge erreicht und wurden zunehmend unpraktisch. Kämmen und fönen und waschen und so.

Meine Friseurin, nennen wir sie Nina, nimmt jetzt jedenfalls neben mir Platz und sammelt sich. „Wie oft wäscht Du Dir die Haare“, fragt sie. Mit meiner Antwort, nämlich täglich, scheint sie nicht zufrieden zu sein. Das hätte sie sich schon gedacht. Mein Shampoo, sei zudem die komplett falsche Wahl.

Jetzt zur Spülung. Bei dem Thema kann ich punkten, denke ich und erzähle, wie toll ich Spülungen finde. „Ja, aber“, setzt sie jetzt an, „wo benutzen Sie denn die Spülung?“ Wie? Wo? Ich strecke meine Hand durch den schwarzen Überwurf und zeige grob in die Richtung meiner Kopfbehaarung. Das hatte sie sich auch schon gedacht. Spülung benutzt man nur in den Spitzen, erfahre ich jetzt. Sonst passiert irgendwas mit den Haaren, wobei ich jetzt allerdings vergessen habe, was genau.

Jetzt könnte sie mal anfangen zu schneiden. Macht sie aber nicht. Sie will mit mir wieder übers Haarewaschen reden. Ihr „ganz persönlicher“ Tipp: Trockenschampoo. Das würde zwar streng riechen und die Haare im Ansatz grau färben aber so könnte man eben auf Shampoo verzichten. Hurra, denke ich. Graue Haare, die stinken. Ich habe auch schon mal bessere Tipps bekommen.

Nina trägt übrigens, wenn man mal mal ehrlich ist, ein ziemliches Durcheinander auf dem Kopf. Stellenweise tupiert und ziemlich unsortierte Restlocken. Sie sagt, das sei noch ihre Partyfrisur vom Wochenende. Hat sie seitdem – heute ist Dienstag- noch nicht waschen müssen, erzählt sie ein bisschen stolz (wegen Trockenshampoo). Ich überlege, ob das die Lösung sein kann, als sich Nina endlich in Schneideposition begibt. „Das war nur Schneiden, oder?, fragt sie. „Nein“, sag ich. Mit Waschen. Bitte.

Juliane Kmieciak

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