Echte Kiffer

Februar 2, 2010

Auf dem Barhocker neben mir sitzt S. mit übereinander geschlagenen Beinen. Marke: Erfolgreiche Geschäftsfrau, die nach der Arbeit in der hippen Agentur noch schnell auf einen Drink in irgendeiner Lounge einkehrt. An den Füßen Pumps, adretter Rock, weiße Bluse, gescheitelt und gekämmter Pagenkopf, Perlenstecker an den Ohrläppchen. S. erzählt vom Tag im Büro, von Aufträgen, Erfolgen und Herausforderungen. Dazwischen greift sie immer wieder mit einer schnellen Handbewegung zum Becks und nimmt einen tiefen Schluck, raucht dabei viele Malboro Lights. Die Hände suchen immer wieder den Blackberry. Hat der Chef geschrieben? Termin verpasst? Es dauert eine Weile, bis sie ruhiger wird. Nun pustet sie den Rauch immer langsamer aus, wirft dabei den Kopf in den Nacken und legt die Brille zur Seite. Feierabendgefühl an diesem verschneiten Montag in Eimsbüttel. Der Barkeeper unterhält sich derweil mit einem Glatzkopf, Marke: Wanted! Der erzählt von Drogen, von gutem und schlechtem Koks, von Heroin, von Vollrausch. „Ich hätte viel zu viel Angst“ sagt dann S. und spitzt den Mund. Die Glatze äfft sie nach, wie damenhaft sie redet, wie sie raucht. Dann steckt er sich einen Joint an. Da plötzlich kriegt S. große Augen und klatscht mit den Händen. „Darf ich mal?“ fragt sie strahlend. Jetzt schüttelt sich der Typ vor lachen. Was ist denn?, schimpft sie. „Meinst Du, Perlenohrringe kiffen nicht?“