Heidi raus

November 23, 2009

Seit Neuestem gehöre ich zu den Menschen, die nach Feierabend „noch mal schnell ins Fitnessstudio gehen“. Und in den Kraft- und Trainingsräumen gibt es viel zu bestaunen. Zunächst sieht in diesem Fitnesstempel wirklich niemand so aus, als hätte er Sport nötig. Vielleicht sind sie auch alle wegen Rücken oder Nacken oder Kopf da, überlege ich.  Nur selten verirrt sich ein pummeliger Mensch hier hin. Sicher wird es  einen separaten Trainigsraum für Dicke geben.  Erstaunt bin ich auch über die Technik, die mit dem Grundgedanken der Entspannung (heute sagt man:  Wellness) nicht mehr viel zu tun hat. Alle Crosstrainer sind so aufgestellt, dass man auf  sechs Bildschirmen das Fernsehprogramm der Privatsender verfolgen kann. Ein bisschen sieht es aus wie bei Saturn. Hier steppe ich auf Stufe drei im Fettburnmodus und verbrenne erschreckend langsam eine Kalorie nach der anderen. Um mich herum strampeln und schwitzen noch etwa 30 andere Frauen und Männer und schauen stoisch auf die Bildschirme. Plötzlich  geht ein Ruck durch die Reihen, die Köpfe strecken sich nach vorne. Auf dem Bildschirm stolziert  Supermodel Heidi Klum über den Laufsteg. Hin und her und hin und her.  Schnell werden um mich herum die Schwierigkeitsstufen höhergestellt, die Bewegungsgeschwindigkeit nimmt radikal zu.  Alle Blicke sind auf den Bildschirm gerichtet. Dann weitere Aufnahmen, die dokumentieren, wie Heidi seit Jahren immer wieder schwanger und dick und dann wieder kurz nicht schwanger und dünn wird. Die Blicke werden grimmig, das Treten verbissen. Plötzlich habe ich Angst, dass gleich noch „der Seal“ kommt und seinen Bauch zeigt. Ich steig ab. Es reicht doch schon, sich vor einer Reihe  Bildschirmen in einem stickigen Raum abzurackern, während jede verbrannte Kalorien und jeder imaginär gelaufene Kilometer gezählt wird.  „Unsere Heidi“ jedenfall senkt den Wellnessfaktor auf Null. Genau für diese Momente haben Fitnessstudios einen Wellnessbereich. Hin da. Ganz schnell.

Daheim am Mittelmeer

November 11, 2009

Uns Norddeutsche zieht es in den Ferien gerne in Richtung Süden, in der Hoffnung, wir könnten ein wenig von der Dolce Vita konservieren und mit nach Hause nehmen.

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