Ich habe von Banken keine Ahnung. Trotzdem möchte ich heute über sie schreiben, oder genauer: Über die HSH-Nordbank. Heute Morgen las ich über die „marode Landesbank“ (das wollte ich schon immer einmal sagen): „HSH Nordbank versenkt 20 Millionen Euro in Island“. Abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe, wie man 20 Millionen Euro in Island versenken kann, kommt mir die Überschrift so vertraut vor, als hätte ich sie so, oder so ähnlich, schon zig Mal gelesen. Ich möchte Herrn Nonnenmacher und seinen Kollegen wirklich nicht unterstellen, dass sie sich einmal die Woche in ein Boot nach Island setzen und auf hoher See, die Kravatte im kühlen Wind wehend, aus Versehen mal mal ein paar Scheine als Fischfutter über Bord gehen lassen. Dennoch könnte man die Überschriften und die dazugehörigen Artikel der letzten Wochen einfach in einen Topf kippen, umrühren und wahllos wieder zusammen setzen – passen würde es immer noch. Ein paar Beispiele aus den letzten drei Monaten zur Veranschaulichung : Vergangene Woche: „HSH Nordbank soll 20 Millionen Euro versenkt haben“ (Der maritime Autor liebt das Verb „versenken“), oder: „Nonnenmacher hat neues Problem“ (19.10), „Es wird einsam um Nonnenmacher“ (18.10) und knapp zwei Monate zuvor: „Es wird einsam um Professor Nonnenmacher“. Der Arme. Im August schon einsam und im Oktober noch immer einsam nur ohne Doktortitel. Ein wenig erinnert das alles doch an ein Basketballspiel. Auch da lohnt es nicht, ein ganzes Spiel zu sehen, weil sich der Spielstand alle paar Sekunden ändert. Die letzten zwei Minuten und eine knappe Zusammenfassung reichen. Das wäre doch auch was für die HSH-Nordbank. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, solange keinen Artikel mehr über die „strauchelnde Landesbank“, „genehmigte Millionendeals“ oder „angeschlagene HSH Nordbank“ zu lesen, bis es einmal heißt: „Versenkte Millionen vor der isländischen Küste geborgen“ oder wenn irgendwann das schwere, in dunkelgrüne Leinen gebundene Gesamtwerk im Buddenbrooks Stil herauskommt. „Die Nonnenmachers – Niedergang einer Bankerfamilie.“

Schon wieder Winter?

Oktober 14, 2009

In diesen Tagen ist es kalt geworden. Strecke ich morgens  zuerst vorsichtig die Zehenspitzen unter der Decke hervor, versucht mein halbwacher Kopf im Zeitlupentempo, Antworten auf die dringendsten Fragen zu finden: Wie komme ich möglichst schnell vom Bett unter die Dusche und dann von der Dusche in die Klamotten? Und wie kann dann das Teewasser schon fertig sein, ohne dass ich eine Sekunde stehend vor dem dampfenden Topf ausharren muss? Mit ähnlich kalten Gedanken scheint ungefähr jeder zweiter Hamburger in die U-Bahn zu steigen, denn überall höre ich: „Das ist jetzt überraschend kalt für Oktober“ oder „das ist jetzt aber überraschend schnell kalt geworden“ und, da gemeinerweise niemand vorgewarnt wurde, auch: „Ich hab mir so schnell noch keine Winterjacke kaufen können.“ Auch ich gehöre zu denen, die sich jedes Jahr wieder vollkommen vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn es ganz plötzlich Herbst und dann Winter wird. Ich glaube, heute habe ich jedem Mensch, mit dem ich gesprochen habe, irgendwas vom Wetter erzählt. Wetterfee hätte vielleicht besser aus mir werden sollen. Irgendwie weiß ich auch nicht, warum ich das tue, denn dass Wetter ist mit Tagestemperaturen von etwa 9 Grad in Hamburg sicher alles – nur nicht überraschend. Trotzdem macht es Spaß, gemeinsam zu nörgeln, gemeinsam zu frieren und gemeinsam zu schwören, dass es letztes Jahr mindestens noch doppelt so heiß war und zum Beweis irgendwas vom Eisessen und Schwimmen und Grillen zu erzählen. Morgen früh jedenfalls wird es sicherlich genau so kalt sein wie heute Morgen und ich werde, genau wie übermorgen und kommende Woche – davon vollkommen überrascht sein und es jedem erzählen. Bis im Mai dann – völlig überraschend – der Frühling vor der Tür steht.

Jacob oder Justin?

Oktober 5, 2009

Laut einer aktuellen Studie haben es Schüler je nach Vornamen entweder schwerer oder leichter in der Schule. Vorschusslorbeeren also für Jacob oder Maximilian, während Justin schon beim ersten Nasenpopeln aus der Klasse fliegt.

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