Mit Manfredo durch die Nacht

September 3, 2009

Die Geschichte beginnt, als der Wein sich dem Ende neigt. Und da in Hamburg nicht wie Berlin an jeder Ecke noch ein Späti zu finden ist, müssen wir kreativ werden. Kichernd werfe ich in die Runde, dass ich vor ein paar Tagen einen total verrückten Taxifahrer kennen gelernt habe: Er spielte das „Lied vom Tod“, ließ seine Hände im warmen Fahrtwind flattern und hat für nette Gäste, und das war ich anscheinend, immer ein paar Bonbons in der Jackentasche. Dodo ist sofort begeistert, ruft bei Manfredo an und fragt, ob er nicht Lust hätte mit zwei Flaschen Wein vorbei zu kommen. Eine für ihn und eine für uns. Zehn Minuten später steht Manfredo vor der Tür: Im Gepäck hat er zwei Flaschen Merlot und wieder viele Bonbons. Um Anfahrt und Wein bezahlen zu können, müssen wir uns aber noch zur Sparkasse fahren lassen. Auf dem Weg hören wie eine italienische Arie, bis zum Anschlag aufgedreht, dann einen Pop-Song. Wir drei klatschen und feiern und wollen uns schon verabschieden, als Manfredo uns einlädt auf eine ganz besondere Fahrt. Er legt eine CD auf, räuspert sich und beginnt zu singen. Wie wir später erfahren, ist Manfredo ausgebildeter Opernsänger. Und so drehen wir noch ein paar Extrarunden durch die vielleicht letzte warme Sommernacht, strecken die Hände aus dem Dachfenster und lauschen fasziniert, wie der kleine, weißhaarige Mann mit Brille, die Luft scheinbar zum beben bringt. Wieder zurück zu Hause widmen wir uns dem dunklen Roten und senieren über diese ganz besondere Nacht. Und darüber, wie schön es doch ist, einfach einmal aus der Rolle zu fallen.Und heute, an diesem herbstlichen und furchbar müden Donnerstag fällt mir Manfredos Visitenkarte in die Hände. Drauf steht: Nur fliegen ist schöner!

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